Solche Filme sind noch nichts für dich!

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An Wochenenden, wenn es draußen kalt und regnerisch ist, könnte man es sich auf dem Sofa gemütlich machen, selbst gebackenen Kuchen essen, dazu einen Kaffee schlürfen und Serien schauen, bis der Fernseher fragt, ob er sich ausschalten soll, weil er schon seit sechs Stunden am Stück läuft. Man kann aber auch die großen verstaubten Aufbewahrungskisten unter dem Bett hervor ziehen und Dinge aus vergangenen Tagen anschauen, sortieren und dabei gleich ausmisten.

Dabei fielen mir auch Zeichnungen, Übungshefte und beschriebene lose Zettel meines Sohnes in die Hände, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten. Mit meistens einem Schmunzeln schaute ich mir alles an. Ein vollgeschriebenes Blatt Papier lies mich jedoch kurz stutzen, aber da ich die Rechtschreibfehler korrigiert hatte, konnte ich mich nach kurzem Kramen in den Tiefen meines Hirns an die Sache erinnern:

Mein Sohn war elfeinhalb Jahre alt (zum Glück hat er das Datum wie bei einem Schuldiktat auf das Blatt geschrieben) und ich wollte mir abends Dobermann (ein seinerzeit indizierter französicher Film mit Vincent Kassel als Anführer einer Bande von Bankräubern aus dem Jahr 1997) anschauen. Die kleine Schwester schlief schon längst, doch er wollte Stärke markieren und war wohl auch ein wenig neugierig auf den Erwachsenenfilm, aber ich schickte ihn trotzdem ins Bett. Da musste ich hart sein. Wie gewöhnlich, war er voller Gedanken und schlief nicht gleich ein, er setzte sich an den Schreibtisch und schrieb folgende Zeilen, die er mir am Morgen danach zeigte:

Mit den Worten „Solche Filme sind noch nichts für dich!“, hatte mich mein Papa sicherheitshalber ins Bett geschickt. Befehlsgemäß niedergestreckt lag ich da, grübelte über  das „noch nichts“ nach, tröstete mich mit der Perspektive und dem Krimikrach, der durch die Schlafstubentür drang. In meiner Fantasie stellte ich mir vor, wie sie im Fernsehen vor Vaters und Mutters Augen lustig mordeten. Dazu blubberte eine Musik, die nichts Gutes ahnen lies und mehr als einer Schießerei aus Trompeten und Posaunen ähnelte.*

Damals war ich wirklich perplex, mit welch wortgewandter Leichtigkeit er seinen Gedanken Ausdruck verlieh. In dieser Zeit schrieb er noch mehrere kleine Geschichten, doch leider hörte er irgendwann damit auf und gab sich der Programmiererei hin, welche er inzwischen auch beruflich verfolgt. Doch vielleicht fängt er wieder an zu schreiben. Sein Vater würde sich sehr darüber freuen.

*Meinen Sohn fragte ich vorher um Erlaubnis, ob ich den Text veröffentlichen darf. Nach seiner Zustimmung berichtigte ich die Zeilen orthografisch.

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